Nachaltig Reisen vs. Wachstum

Nachaltig Reisen vs. Wachstum

Im Tourismus geht es, wie auch im Energiebereich, je länger je mehr nicht alleine um Wachstum, sondern auch um Nachhaltigkeit. Am World Tourism Forum in Luzern versuchten Mitte April 230 Experten einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden.

Wegen seiner gewerblichen, in Hunderte von Kleinunternehmen aufgeteilten Struktur gehört der Tourismus in der Schweiz zu den wirtschaftlich stark unterschätzten Branchen. Dies im Gegensatz zur Uhrenindustrie etwa, die von einigen grossen und weltbekannten Namen dominiert wird. Dennoch wetteifern Uhren- und Tourismusbranche jeweils um den dritten Platz in der nationalen Ausfuhr-Statistik.

Weltweit jedoch ist der Tourismus die mit Abstand grösste Konsumindustrie. Während Jahrzehnten global krisenresistent, sorgt er seit vielen Jahren für stabile Wachstumsraten.

Die ‘Nachhaltigkeit’ (Sustainability), welche eigentlich das gängige quantitative Wachstum in Frage stellt, ist zwar seit vielen Jahren in die Frage stellt, ist zwar seit vielen Jahren in die Fremdenverkehrs-Werbung eingebaut. Doch wirkt sie dadurch nicht immer glaubwürdig.

Ineffektive Effizienz

Dabei sei ein gewisses Wachstum nicht zu umgehen: “Wie können wir in der Schweiz einen nachhaltigen Tourismus machen, wenn die Aufenthaltsdauer pro Gast abnimmt?”, fragte Schmid. Auf diese Grösse könne man kaum einwirken, doch werde mit der Landeswerbung versucht, die Anzahl der Gäste-Ankünfte zu erhöhen, um diesen Effekt zu neutralisieren.

Tim Jackson von der britischen Kommission für Nachhaltigkeit und Regierungsberater nannte das Dilemma dann beim Namen: Die Effizienzgewinne durch Energieeinsparungen und kleinerem CO2-Ausstoss pro Einheit würden durch die ständig weiter gehende Expansion der Touristenströme völlig verwässert. Die technologische Effizienz trägt also nicht zur effektiven Nachhaltigkeit bei, auch wenn damit geworben wird.

Ähnliche Herausforderungen gab es bereits

Gegenüber swissinfo.ch gab sich Forumsbesucher Michel Rochat, Direktor der Ecole Hôtelière Lausanne, weniger skeptisch: “Die Geschichte zeigt, dass die Menschen bereits früher vor ähnlichen Herausforderungen standen. Es braucht erfahrungsgemäss immer zuerst die Einsicht, dass ein Problem besteht, bevor dann wirklich intensiv nach technischen Lösungen gesucht wird.”

London sei im 19. Jahrhundert fast in der Drecksluft der Kohle erstickt, bevor strombetriebene Transportmittel aufkamen. Das Entscheidende liegt für Rochat jedoch in der Politik: “Sie muss die Forschungsgelder in die richtige Richtung lenken, also in die Nachhaltigkeits-, Clean Tech- und ähnlichen Bereiche.”

Queensland als Beispiel

Doch nicht nur in der Schweiz macht man sich Gedanken zur Nachhaltigkeit. Auch am anderen Ende der Welt, in Down Under, ist das Thema Nachhaltig Reisen genau so präsent: “Der nachhaltige Tourismus war in Queensland immer schon ein Thema”, sagt Daniel Gschwind, Chief Executive des Queensland Tourism Industry Councils, Auslandschweizer und Honorarkonsul der Schweiz in Brisbane, gegenüber swissinfo.ch.

“Weil alle unsere Attraktionen, die für den Tourismus sehr wichtig sind, wie das Barrier Reef, der Regenwald oder der Norden von Queensland, Naturschätze sind, nur genutzt werden können, wenn dies nachhaltig geschieht.”

Dies sei seit jeher einer der touristischen Wettbewerbsvorteile von Queensland gewesen. “Mit den Naturkatastrophen, die wir in den letzten drei Monaten hatten, ist dies noch in den Vordergrund gerückt. Das Gefahrenpotenzial, das uns noch erwartet, ist etwas transparenter geworden.”

Mehr Gewicht für die Nachhaltigkeit

Ausser einer gezielteren Forschung wurden in Luzern weitere Methoden aufgezählt, um der touristischen Nachhaltigkeit zu mehr Gewicht zu verhelfen.

Dazu gehören die Preispolitik, also die Frage nach dem alle Kosten berücksichtigenden Preis von Flugtransport und Hotel-Dienstleistungen. Empfohlen wurde die Erneuerung von globalen Vereinbarungen, wie das internationale “Flugabkommen von Chicago”.

Ebenfalls vorgeschlagen wurde ein schneller Generationenwechsel auf Entscheidungsebene, weil die Jungen viel grüner denken, oder das Etablieren von Staatsfonds wie in Norwegen, die nachhaltig investieren und grünen Tourismus eher unterstützen.

Quelle: Alexander Künzle, swissinfo.ch

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