Dürre in Ostafrika – Kenia braucht die Touristen

Dürre in Ostafrika – Kenia braucht die Touristen

Kenia ist eines der Länder Afrikas, in dem die Dürre besonders hart zuschlägt. Aber die Hungersnot beschränkt sich hauptsächlich auf den Norden. In den weit entfernten Naturschutzgebieten des Landes können Touristen weiter auf Safari gehen. Darauf legt das Land große Hoffnungen, denn der Tourismus ist die “Rettungsleine” Kenias.

Wer an Äthiopien und Somalia denkt, der hat unwillkürlich Bilder von Hungerkatastrophen und ausgedörrten Ebenen vor Augen. Die Erinnerung an die große äthiopische Dürre in den 1980er Jahren etwa ist unauslöschlich, als Millionen Menschen auf grausamste Weise dem Hunger zum Opfer fielen. Aber Kenia? Da denken viele an Tauchurlaube am Indischen Ozean, an Safaris in den weiten Savannen weltberühmter Parks wie Masai Mara, Tsavo oder Amboseli. Und jetzt soll dieses Urlaubsparadies plötzlich mitten in der Krise stecken?

“Über 4,5 Millionen Menschen in Kenia sind von der derzeitigen Dürre betroffen, und 3,2 Millionen brauchen dringend Hilfe”, sagte Nelly Muluka vom Internationalen Roten Kreuz in Nairobi. Aber es ist besonders der Norden des Landes, der weit weg liegt von den bekannten Naturschutzgebieten, der unter dem ausbleibenden Regen leidet. “Die Menschen dort haben nichts mehr und das Einzige, was sie noch tun können, ist auf Hilfe zu warten”, betonte Muluka.

Am schlimmsten getroffen hat es die Viehzüchter und die Farmer, aber auch Menschen, die bisher vom Fischfang lebten, sehen ihre Lebensgrundlage dahinschwinden. “Sie müssen zusehen, wie das Wasser in den Flüssen und Seen immer mehr abnimmt.” Das Land sei “trocken und kahl”, überall lägen Tierkadaver herum, beschrieb Muluka die Bilder, die sich den Helfern im Norden bieten. Unvorstellbar für viele Touristen, die nur ein paar Hundert Kilometer südlich begeistert Löwen, Giraffen und Leoparden in freier Wildbahn beobachten.

“Wir hoffen, dass die Urlauber weiter kommen”

“Das Ganze scheint keinen Sinn zu ergeben. Aber Kenia, ebenso wie auch der Rest von Afrika, ist sehr komplex und hat viele Gesichter”, bringt es die Kenianerin Mercy Wambui auf den Punkt. Sie arbeitet im äthiopischen Addis Abeba für die Vereinten Nationen. “Das Leben in meinem Land muss weitergehen, und wir hoffen, dass die Urlauber weiter kommen und Geld für eine Kenia Safari ausgeben, um die Wirtschaft zu unterstützen.”

Der Tourismus sei die “Rettungsleine” Kenias: “Wenn die Leute sich jetzt abschrecken ließen und nicht mehr kämen, dann würden zusätzlich auch noch Hunderttausende Menschen in der Dienstleistungsindustrie ihrer Lebensgrundlage entzogen”, meint Wambui.

Im politisch relativ stabilen Kenia haben nicht Bürgerkrieg und Zerrüttung zur Hungersnot geführt, sondern – neben der extrem schlechten Regenzeit – vor allem die steigenden Preise, erklärt Stephanie Savariaud vom Welternährungsprogramm in Nairobi. “Die Preise für Lebensmittel und Benzin sind extrem hoch, so ist der Preis für Mais allein im vergangenen Jahr um 160 Prozent gestiegen.” Zugleich sei der Marktwert des Viehs – das häufig verkauft werde, um dafür Nahrung zu erwerben – dramatisch gesunken, sagt Savariaud.

Die Vereinten Nationen unterstützen die betroffene Bevölkerung mit verschiedenen Programmen, so etwa Lebensmittelverteilungen für mehr als 1,1 Millionen Menschen, Ausgabe von Spezialnahrung für Mütter, Kinder und Schwangere sowie Schulspeisungen für 670.000 Kinder. In Nordkenia werden letztere auch während der Sommerferien fortgeführt.

Zu den eigenen Problemen kommen die der Nachbarn

Zudem liegt in Dadaab im Norden Kenias auch das derzeit größte Flüchtlingscamp der Welt, wo 400.000 Menschen – größtenteils aus dem Nachbarland Somalia – Zuflucht gesucht haben. “Zusätzlich zu den eigenen Problemen mit der Krise kümmert sich Kenia auch noch um die Menschen aus Somalia, und das macht die Situation noch viel schwieriger”, erklärt Wambui.

Gleichzeitig müsse man aber immer bedenken, dass Afrika kein Land, sondern eben ein Kontinent sei, und dass der größte Teil dieser riesigen Landmasse gar nicht von der Dürre betroffen sei, betont sie. “Die Menschen in den westlichen Industrieländern sagen immer: “Schau mal was schon wieder in Afrika passiert, da sterben alle an Hunger.” Dieses falsche Bild müssen wir endlich loswerden.”

Quelle: n-tv.de

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